Der Irtenberger Wald hat eine lange, bewegte Geschichte hinter sich und eine spannende Zukunft vor sich. Wir wollen Sie mitnehmen auf einen Rundweg, auf dem Sie vieles erleben und lernen können, mit so manch geheimen Einblick in die wundersame Welt des Waldes.
Folgen Sie vom Parkplatz aus dem Forstweg und gehen Sie weiter auf dem Abzweig nach rechts bis zur Gabelung. Hier finden Sie die erste Station.
Am linken Wegesrand steht kaum beachtet, weil fast unbekannt, die Elsbeere. Im Volksmund auch die „schöne Else“ genannt. Anmutig mit feingelockter Rinde, fünfgezackten Blättern ähnlich einer Hand. Sie wirkt exotisch und ist doch eine heimische Schönheit. Sie steht dort wo Buche oder Eiche es ihr gestatten. Im Herbst trägt sie rötlich braune Beeren und färbt ihre Blätterpracht feuerrot.
Folgen Sie dem rechten Weg weiter bis Sie zur Irtenberger Wiese kommen.
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale
Das Wuchsverhalten
Die Elsbeere, verwandt mit dem Speierling, schätzt Wärme und Licht, wovon sie aber oft nicht genug bekommt. Sowohl Buchen als auch Eichen sind ihr in Konkurrenzkraft überlegen. So wird sie oft auf trocknere Standorte gedrängt oder findet mit Glück eine Lücke zwischen ihren Konkurrenten wie beispielsweise an Wald- und Wegesrändern.
Die Ökologie
Ihre Blüten bieten zahlreichen Insekten ein reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot. Die Früchte werden von Vögeln als Winternahrung geschätzt. In der strukturreichen Rinde finden Insekten Unterschlupf.
Die Holzeigenschaften
Wie siehts aus?
Das Holz der Elsbeere ist sehr facettenreich. Es kann honiggelb bis rötlich gefärbt sein.
Was kanns?
Obwohl es sehr schwer und hart ist, ist das Holz auch elastisch.
Wofür ist es geeignet?
Es eignet sich zum Möbel- und Instrumentenbau, aber auch als Furnier.
Augen auf! Finden Sie die Spechthöhle im Baum oder sogar weitere Höhlenbäume?
Vor Jahren, als der Wald noch bewirtschaftet wurde, hat der Specht hier bereits seine Höhle in den Baum gezimmert, um darin seine Jungen groß zu ziehen. Im Frühsommer lassen sich die fleißigen Eltern beobachten, wie sie im Minutentakt Futter bringen. Aber bitte Abstand halten, um sie nicht zu stören.
Die Eiche ist ein gefragter Superstar: Alle lieben sie und doch macht sie sich rar. An keinem anderen Baum leben so viele verschiedene Tierarten wie an der Eiche. Dutzende Insekten leben ausschließlich an und auf ihr. Für zahlreiche Vögel und Säugetiere, wie beispielsweise Fledermäuse, bietet sie durch Spalten und Höhlenein sicheres Zuhause. Die Eiche ist die artenreichste Baumart unserer heimischen Flora, eine Heldin für die Biodiversität. Ohne die Hilfe von Forstleuten werden Eichen jedoch oft von der schattentoleranten Buche verdrängt.
Mehr zu Eichen:
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale
Die Ökologie
Eichen sind die Superstars der Biodiversität. An keiner anderen Baumart finden sich so viele Arten, die sich so stark auf einen Baum spezialisiert haben. Allein rund 180 Schmetterlings- und 1000 Käferarten siedeln auf Eichen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Alter, Struktur, Holzeigenschaften, Standortansprüche. Eichen haben sich entwicklungsgeschichtlich früher als Gattung ausgebildet als z. B. Buchen. Viele Arten hatten damit schon länger Zeit sie kennen und schätzen zu lernen. Mit einer Lebenserwartung von über 1000 Jahren ist über lange Zeit ein stabiler Lebensraum, der Verlässlichkeit und Sicherheit bietet, gewährleistet. Spezialisten wie der Eremit bzw. Juchtenkäfer sind auf stabile, sich nur sehr langsam verändernde Lebensräume angewiesen. Je älter ein Baum ist, desto ökologisch wertvoller ist er. Die rissige Eichenrinde bricht noch mehr auf und bietet Versteckmöglichkeiten für Insekten. Die wiederum nutzen Vögel als Nahrungsquellen. Für den Baum sind Rindenverletzungen und Astabbrüche nicht gut, für andere Lebewesen bieten sie neue Lebensräume und Nischen. Auf dem aufgebrochenen Holz können sich Pilze bilden, in denen sich wiederum pilzfressende Käfer ansiedeln.
Die Holzeigenschaften
Wie siehts aus?
Eichenholz ist hellbraun bis mittelbraun mit deutlich sichtbaren Jahrringen
Was kanns?
Wegen seiner ausgesprochenen Härte und Widerstandsfähigkeit ist Holz von Eichen hochgeschätzt und teuer.
Wofür ist es geeignet?
Für Pfähle, die Teile ganzer Städte tragen wie etwa in Venedig oder Amsterdam. Für hochwertige Möbel oder Rahmenwerke, Türen, Treppen, Tore, Decken, Fenster sowie in Parkett- und Riemenböden.
Stiel-Eiche vs. Trauben-Eiche
In den vorherigen Abschnitten wurden beide Baumarten unter dem Überbegriff "Eiche" abgehandelt, da sie sich in vielen Dingen sehr ähneln. Es gibt jedoch auch kleine, aber feine Unterschiede.
Merkmale:
Die Trauben-Eiche hat ungestielte Früchte, sie sitzen direkt am Zweig. Die Blätter haben hingegen einen langen Stiel. Bei der Stiel-Eiche ist es genau umgekehrt, die Eichel hat einen langen Stiel, das Blatt sitzt fast direkt am Zweig.
Standort:
Die Trauben-Eiche kommt vor allem in trockneren Gegenden vor, wohingegen die Stiel-Eiche mit Trockenheit nicht sehr gut klarkommt und vor allem in Gebieten mit guter Wasserversorgung (z. B. Auwald) zu finden ist.
…ein sonnig-warmes Plätzchen ohne aufdringliche Nachbarinnen. Neben den vielen weiblichen Baumarten (Weide, Eiche, Kirsche usw.) findet sich hier eine der wenigen Baumarten mit männlichem Artikel: der Speierling. Noch seltener als die Elsbeeren anzutreffen, braucht er viel Licht und Wärme zum Gedeihen. Ausladend wachsende Damen, wie die Buche, bringen ihn schnell in Bedrängnis durch fehlendes Licht und sonnige Wärme.
Mehr zum Speierling:
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale
Das Wuchsverhalten
Speierlinge sind ausgesprochen selten, sie kommen in Bayern überwiegen in Mainfranken vor. Seine Seltenheit beruht auf seiner ausgesprochenen Lichtbedürftigkeit, Wärmeliebe und seiner Konkurrenzschwäche gegenüber anderen Baumarten. Besonders von Buchen wird er oft überwachsen und verdrängt. Ein großer alter Speierling ist eine Rarität. Er ist eng verwandt mit der Elsbeere.
Die Ökologie
Die Früchte werden von Vögeln und Säugetieren verzehrt, durch das Ausscheiden der Samen tragen sie so zur Verbreitung bei. Speierlinge bilden aber auch häufig Wurzelbrut, das heißt aus den Seitenwurzeln wachsen neue Bäume heran.
Die Früchte sind ungiftig für den Menschen, aber eher säuerlich-bitter. Sie werden dem „Äppelwoi“, also dem Apfelwein, als herbe Würze beigegeben.
Die Holzeigenschaften
Wie sieht es aus?
- Gelb-rötlich, ähnlich wie Elsbeere
Was kann es?
- Sehr dicht und hart, aber elastisch. Schwerstes europäisches Holz
Wofür ist es geeignet?
- Instrumentenbau, Furnier
An dieser Stelle steht am rechten Wegrand eine Buche mit bizarrem Wuchs: Ihr fehlt der Kern im Inneren des Baumes. Trotzdem wächst sie weiter und ist vital. Nehmen Sie sich einen Moment, um in das Innere zu sehen, den Baum abzuklopfen oder durch den Baum gen Himmel zu schauen.
Hier gelangen Sie über den Naturpfad zur Landartwiese. Werden Sie selbst kreativ und gestalten Kunstwerke mit Naturmaterialien. Weitere Informationen finden Sie vor Ort. Bei dieser Wegevariante wird die Station 9 ausgelassen. Nach der Wiese am Ende des Waldpfades gelangen Sie wieder auf die Forststraße.
Bisher war die Buche die vorherrschende Baumart auf unterschiedlichsten Standorten. Aber der Klimawandel stellt ihre Vorherrschaft in Frage. Alte Buchen sterben in großer Zahl ab und machen Platz. Die neuen Lücken im Kronendach bieten eine Chance für Eiche, Speierling und Co. zu expandieren. Doch am Boden formiert sich bereits eine neue Generation Buchen, die sich bereits in ihrer Jugend gegen andere Baumarten durchsetzen. Wie wird es der neuen Buchengeneration im Klimawandel ergehen?
Mit seinem prächtigen Geweih wirkt der Hirschkäfer majestätisch, wie sein Namensvetter der Rothirsch. Leider sind Hirschkäfer in den letzten Jahrzehnten seltener geworden. Engagierte Forstleute unterstützen bereits seit den 90er Jahren den Hirschkäfer mit sogenannten Hirschkäfermeilern. Dazu werden Eichenrundlinge, wie hier, in den Boden eingegraben. Dies unterstützt das natürliche Brutangebot an Laubtotholz mit Bodenkontakt– ähnlich ein Nistkasten für Vögel.
Im Meiler wachsen die Larven ca. fünf Jahre heran. In dieser Zeit ernähren sie sich von dem zersetzenden Eichenholz. Nach der beschaulichen Entwicklung als Larve folgen zwei Monate als ausgewachsene Käfer im Schnelldurchlauf.
Ab Mitte Mai schlüpfen die Käfer, die sich umgehend auf die Suche nach nahrhaften Baumsaft und Weibchen für die Fortpflanzung machen. Weibliche Käfer können mit ihren kürzeren Zangen Wunden in der Eichenrinde erzeugen, aus denen der zuckerhaltige Eichensaft austritt. Vom süßen Duft angelockt, finden sich dann auch Männchen ein. Der Zucker im Baumsaft gärt an der Oberfläche zu Alkohol mit der Folge, dass sich die Hirschkäfer nicht nur stärken, sondern auch betrinken. Konkurrierende Männchen tragen, angeheizt durch Alkohol, spektakuläre Kämpfe mit den Geweihen aus. Der Sieger darf sich mit dem Weibchen paaren. Der Verlierer wird vom Baum geworfen. Hilflos auf dem Boden liegend sind sie ein gefundenes Fressen für Wildschweine und andere Tiere
Von unten, aus dem Wald kommend, erscheinen die beiden Bäume eher unscheinbar. Wechselt man jedoch die Perspektive, erscheinen die Fichte und Eiche wie zwei Wächter links und rechts von einem Tor.
Nach der nächtlichen Insektenjagd schlafen Feldermäuse tagsüber meist in Baumhöhlen. Um wohnliche Höhlen und Spaltquartiere gibt es, wie auf dem Immobilienmarkt üblich, starke Konkurrenz. Damit jeder einen Platz findet, hängen die Bayerischen Staatsforsten spezielle Fledermauskästen auf, die regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Im Irtenberger Wald leben auch die seltenen FFH-Arten Mopsfledermaus und Bechsteinfledermaus.
In diesen wilden Wäldern, zwischen und über den Baumkronen ist auch bei Einbruch der Nacht ganz schön was los. Doch wer ist hier zu so später Stunde unterwegs? Es sind Mütter auf Jagd….
Doch welche Mutter geht nachts regelmäßig auf die Jagd und lässt ihre Kinder schon mal allein oder in der Obhut der Nachbarin? An die Fledermausweibchen haben Sie bei dieser Frage sicher nicht gedacht. Doch diese Tiere haben ein komplexes, bisher nur teilweise erforschtes Sozialverhalten. Schon vor über 50 Millionen Jahren eroberten die Fledermäuse den Luftraum. Durch die nachtaktive Lebensweise entgingen sie der Nahrungskonkurrenz durch die Vögel. Um sich in der Dunkelheit zu orientieren und Beute zu machen, waren Ultraschall und Echoortung die Lösung der Evolution.
24 unterschiedliche Arten leben in Bayern, die Hälfte davon zählt zu den gefährdeten Arten. Viele Fledermausarten benötigen Waldstrukturen z. B. für den Bezug ihrer Sommerquartiere sowie für die Jagd auf Insekten.
Winterquartiere
Während ihres Winterschlafs, der bis zu fünf Monate dauern kann, benötigen Fledermäuse feuchte, frostfreie, ungestörte Plätze, wie natürliche Höhlen, Felsenkeller oder Dachböden. Um dorthin zu kommen, nehmen sie sogar Flugdistanzen von mehreren hundert Kilometern auf sich. Um Energie zu sparen, senken die Tiere im Winterquartier ihre Körpertemperatur bis auf ca. 5 Grad ab, Herzschlag und Atemfrequenz verlangsamen sich und der Stoffwechsel wird stark reduziert.
Hier wohnt der Dachs in einer großen "Burg". Es ist aber keine Burg mit Mauern und Türmen gemeint, sondern ein verzweigtes Netz aus Gängen und Höhlen unter der Erde. Eine ganze Dachsfamilie findet hier Platz. Die Eingänge erkennen Sie an den kleinen Erdhügeln.
Endspurt
Ab hier sind es noch knapp ein Kilometer, um zurück zum Startpunkt zu gelangen.
Genießen Sie auf dem Rückweg ganz bewusst den Wald ohne Handy.













